Der IOC hat die Zeichen der Zeit erkannt- FIFA muss folgen - 10. Dezember 2014

Sport vermag Völker zu verbinden, doch im Moment scheint diese Wirkung in den Hintergrund gerückt zu sein. So laut wie noch nie diskutiert die Welt über den internationalen Spitzensport. Das Verwirrspiel bei der WM-Korruptionsaffäre, der FIFA-Ethikbericht und die vielen zu hinterfragenden Vergabe-Entscheidungen der internationalen Sportverbände schaden dem Ansehen des gesamten Spitzensports. Doch noch ist die Hoffnung nicht verloren.
Beitrag zur Rehabilitation des Spitzensports
Der IOC hat die Zeichen der Zeit erkannt. Die von Thomas Bach angestoßene Reform des IOC kann eine Kehrtwende bedeuten. Durch Transparenz bei den Verträgen, finanzielle Unterstützung für die Bewerberstädte durch das IOC und einem stärkeren Augenmerk auf die Nachhaltigkeit des Bewerbungskonzepts geht das IOC einen Schritt in die richtige Richtung. Protzige Spiele sind den Menschen in demokratischen Staaten nicht mehr vermittelbar. Die Kosten für die Ausrichtung der Spiele müssen deutlich sinken. Mit den 40 Reformvorschlägen schlägt der Weltverband ein neues Kapitel der Transparenz und Nachhaltigkeit auf. Wenn der IOC es schafft, seine Reform zügig umzusetzen, leistet er einen großen Beitrag zur Rehabilitation des internationalen Spitzensports.

FIFA fährt Gegenkampagne
Keinen Beitrag oder sogar eine Gegenkampagne liefert hierbei der internationale Fußballverband FIFA. Die fast täglichen neuen Skandale, beispielhaft der Korruptions-Freispruch durch Hans-Joachim Eckert zur Vergabe der WM-Endrunden nach Russland und Katar, gefolgt von gegenteiligen Beweisen aus Katar machen deutlich: Dieser Freispruch ist kein Freispruch von der moralischen und ethischen Verantwortung der FIFA. Dabei hilft auch der halbherzige Versuch einer lückenlosen und einwandfreien Aufklärung der Causa Katar nichts. Eine solche Mischung aus PR-Gag und Placebo-Effekt wird nicht viel Relevantes ergeben. Die von Blatter gestellte Strafanzeige gegen das Fehlverhalten von Einzelpersonen in diesem Zusammenhang wird ins Leere laufen. Es ist also an der Zeit, dass auch die FIFA die Zeichen der Zeit erkennt.

FIFA Zukunft ohne Blatter
Jetzt ist der Zeitpunkt, zu dem Blatter auf keinen Fall noch einmal kandidieren sollte. Die Menschen haben die Nase voll von uralten Funktionären, die sich an Ämter klammern. Das wäre in jedem anderen Bereich außer im Verbandswesen des Sports undenkbar. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo Blatter Konsequenzen ziehen und erkennen muss, dass es nichts bringt, mit dem Fuß aufzustampfen wie ein kleiner Junge. Das schadet der FIFA, dem Fußball und dem Sport insgesamt. Die Menschen unterscheiden nicht zwischen FIFA, IOC, UEFA oder anderen Verbänden. Deshalb leiden alle Funktionäre darunter, wenn sich ein Verband so instinktlos verhält wie die FIFA unter Blatter.

Druck von außen gefragt
Damit die von Bach angestoßene Mission Wirkung zeigen kann, ist es an der Zeit, der FIFA zu sagen, dass sie in ihrem verstaubten Haus Fenster und Türen aufreißt und einmal frischen Wind reinlässt. Hierbei sollten sich auch der Deutsche Fußballverband und alle tadellos ehrenamtlich arbeitenden Verbände angesprochen fühlen. Trotzdem wird es ein schwieriger Prozess, denn nur wenn Blatter geht, werden sich nicht alle Strukturen verändert haben. Aber dieser Weg ist absolut zwingend, um die Glaubwürdigkeit des Produkts wiederherzustellen. Es wäre auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt, um sich dabei an die Spitze der Bewegung zu setzen und die Kritik noch einmal pointiert zu äußern.