Atemberaubender Aufstieg - 22. September 2016

22.09.2016

Im Interview mit berlin vis.à.vis hat Frank Steffel über die Erfolgsgeschichte der Füchse Berlin sowie auch der Füchse Berlin Reinickendorf als Gesamtverein gesprochen.

Noch vor einigen Jahren standen die Füchse Berlin-Reinickendorf auf der Kippe zum Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Heute gehört der Verein zu den wohl stärksten Berlins. Die Handball-Mannschaft mischt in der Spitze der Bundesliga mit, ist seit sechs Jahren Stammgast in europäischen Wettbewerben und verteidigt in dieser Saison den Weltpokal der besten Vereinsmannschaften.

„Dieser Aufstieg ist atemberaubend“, sagt Füchse-Präsident Frank Steffel. „Als ich vor elf Jahren Präsident wurde und die Mannschaft ohne Lizenz für die zweite Liga dastand, wurden wir belächelt, als wir den internationalen Spitzenhandball als Ziel aufgerufen haben. Heute können wir stolz zurückblicken: Wir haben den DHB-Pokal, den EHF-Cup und den Weltpokal gewonnen. Damit sind wir aus dem deutschen und internationalen Handball nicht mehr wegzudenken. Wir schauen optimistisch in die Zukunft.“

Steffel ist froh, dass der Verein auf dem Weg nach oben zu keiner Zeit in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und auf gesunder finanzieller Basis arbeitet. „Wir haben seit Beginn meiner Amtszeit keine Schulden gemacht und wollen unsere Erfolgsgeschichte fortsetzen. Wir Füchse Berlin haben keinen großen finanziellen Hintergrund wie einige andere Bundesliga-Konkurrenten. Trotzdem ist es beruhigend, mit dem Unternehmen ‚Deutsche Wohnen‘ nach einer Saison wieder einen Hauptsponsor gefunden zu haben. Wir konnten somit als strategischen Partner ein börsenorientiertes Unternehmen gewinnen, das eine ähnliche Philosophie vertritt wie wir“, sagt Vereinsmanager Bob Hanning.

Mit der ähnlichen Philosophie meint Hanning beispielsweise die Aufstiegschancen in dem Berliner Unternehmen, wo Lehrlingen gute Perspektiven geboten werden. Diese Maxime ist bei den Füchsen Gesetz. „Wir legen seit vielen Jahren einen besonderen Wert auf die Förderung unserer Jugendabteilungen. Es ist unser klares Ziel, möglichst vielen Spielern den Sprung ins Bundesligateam zu ermöglichen“, erklärt Steffel. Immerhin sind mit Fabian Wiede und Paul Drux zwei echte Eigengewächse der Füchse in diesem Sommer Mitglied der Handball-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Rio. Das Duo unterschrieb erst im Frühjahr einen langfristigen Vertrag bis zum Jahr 2021 bei den Füchsen.

Steffel verweist darauf, dass diese Art und Weise der Jugendförderung schon lange Grundlage des gesamten Vereins und seiner 25 Abteilungen ist: „Das ist das A und O des sportlichen Erfolgs, von dem alle Mannschaften profitieren. Die Jugendausbildung von Top-Talenten wie Kevin-Prince Boateng, Ashkhan Dejagah oder dem Fußball-Weltmeister von 1990, Thomas ‚Icke‘ Häßler, sprechen für sich.“

Der rasante Erfolg der Bundesliga-Handballer schlägt sich auch in der gesamten Vereinsstruktur nieder. „Wir können heute stolz den höchsten Mitgliederstand mit 3 200 Sportlern seit Gründung des Vereins verzeichnen. Unsere Profihandballer tragen als Magnet zur besonderen Attraktivität des Vereins bei.“

Doch nicht nur zahlenmäßig entwickeln sich die Reinickendorfer Füchse. „Mit dem Neubau und dem Umzug in den Fuchsbau in der Kopenhagener Straße haben wir eine sportliche Heimat für viele Kinder und Jugendliche in einem sozial schwächeren Teil Reinickendorfs geschaffen“, so Steffel, der Reinickendorf seit 2009 im Deutschen Bundestag vertritt. „Heute noch sprechen unsere Vereinsmitglieder über das große Eröffnungsfest mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller und DOSB-Präsident Alfons Hörmann sowie vom diesjährigen Jubiläumssportfest mit dem Bürgermeister von Berlin und Sportsenator Frank Henkel und den mehr als 6 000 Gästen.“
Dennoch will sich der Verein keinesfalls auf seinen Lorbeeren ausruhen.

Deswegen schauen die Reinickendorfer Füchse weiter nach vorn und freuen sich über die in Bau befindliche Drei-Felder-Halle. „Diese Sporthalle war immer meine Vision und ist nun schneller als erhofft der krönende Abschluss der Entwicklung des Füchse-Sportparks. Wir sind dem Senat, dem Abgeordnetenhaus und dem Bezirk sehr dankbar für diese Möglichkeit“, sagt Frank Steffel und blickt dabei auf den ganzen Verein. „Wir wollen viele Sportarten auf unserem Areal weiterentwickeln. Dabei hilft uns diese Investition nachhaltig. Es ist besser, heute in den Vereinssport zu investieren, als morgen in die Sozialarbeit und staatliche Jugendprojekte“, versichert der Füchse-Präsident.

Neben den Handballern als Aushängeschild der Füchse wünscht sich der Präsident mehr Aufmerksamkeit für andere Abteilungen. „Im Tischtennis wird fantastischer Sport auf höchstem Niveau geboten und unsere jungen Berliner Spieler hätten mehr Zuschauer und eine größere Medienaufmerksamkeit verdient.“ Zudem schwärmt er vom neuen Padel Court, einem Novum in der Stadt. „Diese Sportart ist eine Mischung aus Tennis und Squash. Wir haben gerade als erster Verein eine Abteilung dafür gegründet. In Südamerika und Spanien ist dieser Sport übrigens sehr populär und die Nummer zwei hinter Fußball“, erzählt Steffel und offeriert: „Eine Schnupperstunde ist bei uns kostenlos. Jeder – Mann, Frau, jung oder alt – kann sofort mitspielen und Spaß haben.“

Die Erfolgsgeschichte sowohl der Füchse Berlin als Profimannschaft im Handball als auch der Reinickendorfer Füchse als Gesamtverein scheint eine stetige Aufwärtsentwicklung zu sein. „Ich habe es in den elf Jahren noch keine Sekunde bereut, in den Verein eingetreten und Präsident geworden zu sein“, beteuert Frank Steffel. Als Enttäuschung nennt er nur ein Resultat, dessen Umkehr am 25. Mai 2012 einer Sensation gleichgekommen wäre: „Das war unsere unnötige Niederlage im Final Four der Champions League mit einem Tor gegen den THW Kiel“, erinnert er sich an das 24:25 von Köln. Da bleibt eben noch Platz zum Träumen. „Unser Ziel ist es, noch näher an die Top-Mannschaften der Bundesliga heranzurücken. Eine Meisterschaft kann man nicht planen. Aber ein Traum wäre das schon.“

Hans-Christian Moritz