Amerika - ein "Patenkind" geht auf Reisen. - 14. März 2016

14.03.2016

Ein Schuljahr in den USA verbringen - für Regina Handke wurde dieser Traum wahr.
Die 17-jährige Regina Handke hatte im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms aufregende und spannende 10 Monate in den USA hinter sich.  Das "Patenkind" von Frank Steffel berichtet nun von Ihren Eindrücken und Erfahrungen, die sie in Marion/ Indiana gesammelt hat.

"Mein Name ist Regina Handke, ich bin 17 Jahre alt und wohne in Berlin-Reinickendorf. Ich hatte dank des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms die Möglichkeit zehn Monate meines Lebens in den USA zu verbringen. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Herrn Dr. Frank Steffel bedanken, der mir diese zehn Monate ermöglicht hat.

Ich träumte seit meinem 14. Lebensjahr davon, für längere Zeit ins Ausland zu gehen, hatte mir Anfangs aber nie vorstellen können für ganze zehn Monate von zu Hause wegzugehen. Ganz alleine in eine mir fremde Umgebung und eine mir fremde Familie zu ziehen. Als ich dann von dem PPP-Stipendium und von dem Programm erfuhr, überlegte ich, ob zehn Monate denn überhaupt so lange wären. Die Antwort darauf weiß ich jetzt. Zehn Monate vergehen viel zu schnell und doch nicht schnell genug. Ich habe während meines Auslandsjahres viel gelernt und unglaublich viel erlebt. Ich denke es stimmt wenn man sagt „Ein Auslandsjahr ist nicht ein Jahr in deinem Leben sondern ein Leben in einem Jahr".

Am Anfang meines Auslandsjahres war ich noch sehr unsicher und wurde oft von Heimweh geplagt. Alles war neu für mich. Die Stadt, die Familie, die High School, die Schüler, ja selbst die Sprache und das Land kamen mir auf einmal unglaublich fremd vor und das, obwohl ich zuvor schon zwei Mal in den USA gewesen war und mir auch die Sprache seit meinem achten Lebensjahr nicht mehr unbekannt war.

Mein Auslandsjahr startete an einem Donnerstagabend, oder eher Freitagmorgen um eins. Meine Gasteltern hatten sehr großes Verständnis für meine Müdigkeit und hatten damit offenbar auch gerechnet, denn meine Gastmutter hatte mir ein Kissen und eine Decke mitgebracht, damit ich auf der Fahrt nach Hause schlafen konnte.

Am nächsten Morgen gab es Blaubeerpancakes und wir fuhren gleich nach dem Frühstück zur High School und wählten meine Kurse. Ich liebte meine Kurse. Neben den Pflichtfächern Geschichte, Mathe und Englisch konnte ich mir vier weitere Kurse pro Semester aussuchen und so kam es, dass ich sogar Gewichtheben und Kochen auf meinem Stundenplan hatte.

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass ich die High School geliebt habe. Ich genoss es in vollen Zügen zu einem echten Marion Giant zu werden und ließ es mir auch nicht nehmen an einem Musical teilzunehmen, mich an Track and Field zu versuchen oder zum Abschlussball zu gehen, aber dazu später mehr.

Nachdem ich meine Kurse gewählt hatte, lernte ich meine Gastoma kennen, die ich sofort ins Herz schloss. Ich schloss meine gesamte Gastfamilie ohne Ausnahme sofort ins Herz. Ich fühlte mich dort unglaublich wohl und hätte mir keine bessere Gastfamilie wünschen können.

Ähnlich ging es mir mit der Kirche. In Deutschland gehe ich nicht jede Woche in die Kirche, doch da mein Gastvater Pastor war, ging ich in den USA gleich zwei Mal die Woche in die Kirche. Als ich davon erfuhr, dass ich zwei Mal die Woche in die Kirche sollte und dafür auch noch jeden Sonntag um sieben Uhr aufstehen musste, war ich zuerst nicht begeistert. Ich freundete mich allerdings schon nach dem ersten Gottesdienst mit der Kirche an und der Kirchbesuch wurde schnell zur Routine und zu etwas, worauf ich mich jede Woche freute.

Die Gemeinde nahm mich sofort als vollwertiges Mitglied auf und es wurde zu meiner Aufgabe während des Gottesdienstes auf die kleinen Kinder aufzupassen. Ich liebte es zwei Mal die Woche auf die ein bis zwölfjährigen aufzupassen und wie mir von den Eltern erzählt wurde, freuten sich auch die Kinder jede Woche aufs Neue darauf, mit mir spielen zu können. In der Kirche lernte ich auch eine meiner besten Freundinnen kennen. Sie war wie ich eine Austauschschülerin und wir verstanden uns von der ersten Sekunde an super. Unsere Freundschaft wuchs mit jeder Minute die wir zusammen verbrachten und sie wurde wie eine Schwester für mich. Wir kannten uns in und auswendig und verbrachten so viel Zeit miteinander wie möglich. Unsere Lieblingsbeschäftigung bestand darin uns über unsere Heimatländer Ukraine und Deutschland auszufragen. Da wir auf verschiedene Schulen gingen sahen wir uns zwar nicht täglich, doch das schadete unserer Freundschaft nicht im Geringsten.

Auch in meiner High School fand ich schnell Freunde, obwohl ich zugeben muss, dass ich mich an meinem ersten Schultag etwas verloren fühlte. Ich kannte niemanden und kannte mich auch in der High School nicht im Geringsten aus. Ich stand also an meinem ersten Schultag wie ein verlorengegangener Welpe in der Turnhalle und versuchte herauszufinden, ob meine erste Stunde auch tatsächlich hier stattfinden würde. Da ich allerdings eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn schon dort war und in der ganzen Schule alleine zu sein schien, konnte ich niemanden fragen. Ungefähr zehn Minuten bevor der Unterricht anfing kamen auch die anderen Schüler und ich lernte ein Mädchen kenne, welches später zu meiner besten Freundin werden sollte. Nachdem ich in der ersten Schulwoche durch mit-dem-Stuhl-umkippen oder aus-Versehen-­deutsch-reden mehrmals die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse auf mich gezogen hatte, habe ich mich ziemlich schnell in der High School eingelebt.

Nachdem die erste Schulwoche geschafft war, konnte mein Auslandsjahr also so richtig losgehen.

Als Junior (Elftklässler) durfte ich an so gut wie allen Schulevents teilnehmen. Eines der ersten Events war Homeconuning. In der Woche vor Homecomming, der sogenannten Homecommingweek, verkleidete sich die ganze Schule zu verschiedenen Mottos und selbst die Lehrer machten da gerne mal mit. Am letzten Tag der Homecommingweek gab es dann das Homecomminggame. Das Footballspiel haben wir leider verloren, die Stimmung war allerdings trotzdem gut. In der Halbzeit wurden dann Homecommingking, -queen, -prince und —princess gekrönt und die Marchingband legte eine Eins-A-Performance ab.

Das nächste Gesprächsthema der Schule war Halloween. Wer geht zu welcher Party? Wer trägt welches Kostüm? Alles Fragen, die den Schulalltag bestimmten. Letztendlich wird Halloween aber in den USA nicht anders gefeiert als bei uns. Es ist alles etwas größer und bunter, sonst gibt es allerdings keine wesentlichen Unterschiede, ganz im Gegensatz zum nächste Feiertag: Thanksgiving

Thanksgiving ist neben dem 4th of July DER Feiertag der Amerikaner und einer den wir in Deutschland (leider) gar nicht kennen. Er wird noch größer gefeiert als Weihnachten, und ist der Tag im Jahr wo die ganze Familie zusammenkommt.

Man ist dankbar für alles was man hat, verbringt den Tag mit der Familie und macht außer essen meistens nicht viel. Das Essen kann sich dafür aber sehen lassen. Es gibt mindestens einen Truthahn, mehrere Beilagen und mehrere Pies (Amerikanischer Kuchen) zum Nachtisch. Wer sich nach dem Essen nicht total vollgestopft fühlt, hat irgendetwas falsch gemacht.

Gleich nachdem man an Thanksgiving dankbar war für alles was man hat, kauft man sich am nächsten Tag, dem Blackfriday, alles, was man nicht hat. Am Blackfriday sind alle Sachen bis zu 80% reduziert und das wird auch ordentlich ausgenutzt. Auch ich habe das ein oder andere Schnäppchen erworben, konnte mich allerdings mit den Menschenmassen, grade bei Wallmart (eine Amerikanische Supermarktkette) nicht sonderlich anfreunden.

Nachdem die Thanksgiving Dekoration wieder abgehangen wurde, holte man auch schon die Weihnachtsdeko raus. Wenn es ums Haus Dekorieren geht, schlägt glaube ich niemand die Amerikaner.

Der weltweit wohl bekannteste Feiertag besteht in den USA nicht so wie bei uns aus Heiligabend und zwei Weihnachtsfeiertagen sondern aus Christmas Eve (unserem Heiligabend) und Christmas Day (unserem ersten Weihnachtsfeiertag). Es ist jeder Familie dabei natürlich selbst überlassen, wie sie diese Tage nutzen. Die einen öffnen die Geschenke unter dem Baum am 24. und andere am 25. Dezember. Einige öffnen die „Stockings" (gefüllte Socken) am 24. und andere am 25. Und wieder andere öffnen beides am gleichen Tag. Es variiert also genauso wie bei uns die Reihenfolge vom Essen und Auspacken. Im Gegensatz zu unserem Weihnachten gibt es in Amerika, oder zumindest in meiner Gastfamilie kein richtiges Weihnachtsessen. Wir sind am 24. Dezember abends zur Kirche gegangen und haben nach der Kirche nur noch Kekse gegessen. Wir haben auch alle Geschenke am 24. ausgepackt, da meine Gasteltem meinten, dass meine Gastschwester und ich uns am nächsten Tag einmal so richtig ausschlafen sollten, was wir dann auch liebend gerne taten.

Das nächste Event was anstand war dann Neujahr. Neujahr war der Tiefpunkt meines Auslandsjahres. Nicht, weil ich mich nicht mehr wohlgefühlt habe, nein, ich habe mich das ganze Jahr über unglaublich wohl bei meiner Gastfamilie gefühlt, aber in Amerika feiert man den Start ins neue Jahr ganz anders als bei uns und ich litt unglaublich unter Heimweh. Das Heimweh dauerte allerdings nur einen halben Tag an, also war der Tiefpunkt meines Auslandsjahres schnell wieder überwunden.

In Amerika gibt es am 31. Dezember keine Feuerwerke und auch nicht alle bleiben bis 24 Uhr wach um sich ein frohes, neues Jahr zu wünschen. Statt des Feuerwerkes und Sekt gab es also für mich letztes Jahr Just Dance und Traubensaft. Ich möchte nicht sagen, dass mir Neujahr nicht gefallen hat, im Gegenteil, ich hatte sehr viel Spaß. Der deutsche Start ins neue Jahr gefällt mir allerdings trotzdem etwas besser.Kurz nach Neujahr stand das Schulmusical an. Meine Freunde waren der festen Überzeugung, dass ich mir so eine Erfahrung nicht entgehen lassen durfte und so kam es, dass ich tatsächlich einen Monat nach der Audition, die kurz vor Weihnachten war, als Humpty Dumpty (ein von einer Mauer gefallenes Ei) bei „Shrek dem Musical" auf der Bühne Stand.

Nach dem Musical hatte ich die Halbzeit meines Auslandsjahres erreicht. Meine drei besten Freunde hatten eine Zaubershow für mich vorbereitet und führten mir diese als Überraschung an dem Tag der Halbzeit als „Halftimeshow" vor.

Gleich am nächsten Tag versuchten meine Freunde mich davon zu überzeugen, dass ich unbedingt einem Sport Team beitreten sollte und da sie alle entweder als Sportler oder Manager im Track and Field Team (Leichtathletik) aktiv waren solle ich es auch am besten mit Track and Field versuchen.

Nach dem ersten Training fühlte ich mich im Team gleich wohl und blieb daher auch gleich dort. Ich war zwar nicht die beste in diesem Sport, aber ich hatte Spaß und bin nun stolze Besitzerin eines Sweatshirts mit meinem Namen hinten und dem Teamnamen vorne drauf.

Durch Track and Field verging das zweite Halbjahr wie im Flug. Kaum waren die Osterferien vorbei stand auch schon der Abschlussball vor der Tür. Prom, der Tag auf den die Elft- und Zwöftklässler das ganze Jahr über warten. Schon Wochen, ja fast Monate vorher gibt es kaum ein anderes Gesprächsthema mehr. Wer wird von wem gefragt? Wie wurde man gefragt? Welches Kleid zieht man an? Wo geht man essen? Wer ist mit einem in der Promgruppe? Alles Fragen die man täglich hört. Am Tag des Balls verbringt man meist Stunden damit das Beste aus Haaren und Make-Up herauszuholen und wartet dann nervös darauf; dass einen sein Date abholt. In meinem Fall mein bester Freund. Wir machten erst gefühlte 1000 Fotos und trafen uns dann mit unserer Promgruppe. Nachdem wir dort auch noch mal Fotos gemacht hatten, machten wir uns auf den Weg zum Essen. Gegessen wird in einem vorher reservierten Restaurant und hierbei kann es sich von der Burgerbude bis zum Sternerestaurant um alles handeln. In meinem Fall war es ein Steakhouse. Gut gestärkt ging es dann zum eigentlichen Ball. Dort blieben wir bis das Promkönigspaar gekrönt wurde und machten uns dann auf den Heimweg.

Nach Prom war das Schuljahr auch schon wieder fast zu Ende. Eine Woche nach Schulschluss gab es noch die Abschlussfeier, wie man sie aus Filmen kennt. An der Zeremonie durfte ich als Junior (Elftklässler) leider nicht teilnehmen, aber ich ließ es mir nicht nehmen sie mir wenigstens anzugucken und Fotos mit den Abschlussschülern zu machen.

Nun war mein Jahr also fast zu Ende und ich blickte zusammen mit meinen Freunden noch einmal auf unsere gemeinsame Zeit zurück. Ich hatte viel erlebt, viel über das Land und seine Kultur gelernt und Dabei keine Gelegenheit ausgelassen, meinem Gastland mein Heimatland näher zu bringen. Ich beantwortete jede Frage gerne und hielt mehrere Vorträge über meine Kultur und Heimat, ich kochte gerne heimische Gerichte für meine Freunde und Familie und brachte ihnen sogar das ein oder andere deutsche Wort bei.

An dem Morgen des Flugtages gab es Blaubeerpancakes zum Frühstück und so wurde mein erste Mahlzeit in meiner Gastfamilie auch zu meiner Letzten.
Ich vermisse meine Gastfamilie und meine Freunde und der Abschied viel mir sehr schwer, doch ich weiß, dass ich sie wieder sehen werde und darauf freue ich mich jetzt schon wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum sieht.

Wenn ich ein Fazit über dieses Jahr schreiben müsste, würde es sehr kurz ausfallen, denn alles was mir dazu einfällt ist, dass es ein perfektes Jahr war.

Ja, es hatte seine Höhen und Tiefen, doch würde mich jetzt jemand fragen, ob ich es bereue ins Ausland gegangen zu sein müsste ich keine Sekunde überlegen. Ich würde jeder Zeit wieder zurückgehen und eines Tages werde ich das auch.

Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass mein Eltern mich haben weggehen lassen, dass meine Gastfamilie mich so wundervoll aufgenommen hat und dass Herr Dr. Frank Steffel mich ausgewählt hat und mir damit die Chance gegeben hat eine neue Kultur, ein neues Land kennen zu lernen."